Unsere Forschung entsteht in den Transformationsregionen Ostdeutschlands — in Städten und Dörfern, die seit drei Jahrzehnten Antworten auf Fragen entwickeln, die große Teile Deutschlands, Europas und auch viele andere Länder in den nächsten Jahren erreichen werden. Wir gehen dorthin, hören zu, analysieren und schreiben. Und wir tragen unsere Ergebnisse zurück in den nationalen und europäischen Diskurs.

Dabei verfolgen wir einen dezidiert ländlichen Blickwinkel. Zu viele Diskurse über Resilienz, Transformation und Regionalentwicklung werden aus urbaner Perspektive geführt — als würde das Land entweder nicht existieren oder nur als Problemfall fungieren, dem man helfen muss. Wir drehen das um: Der ländliche Raum ist kein Empfänger städtischer Ideen. Er ist Ideengeber.

Forschen

Wir untersuchen, was Resilienz im ländlichen Raum wirklich bedeutet — nicht als abstrakte Theorie, sondern als gelebte Praxis. Unsere Forschung entsteht nah an den Menschen: in Dorfhäusern, auf Marktplätzen, in Gesprächen mit Rückkehrenden, Bürgermeisterinnen und Vereinsvorständen. Wir fragen: Wie gestaltet man ein gutes Leben in einer Region, die schrumpft? Was können andere Regionen Deutschlands und Europas von der Lausitz lernen? Und warum kommen Menschen zurück — obwohl alle sagten, es gibt nichts zu holen?

Unsere Forschung erscheint in Fachzeitschriften, als Transferpapiere für Bundesbehörden, in Podcasts und Büchern und als öffentliche Essays.

Gestalten

Wir sind nicht nur Beobachter. Wir haben ein Bau- und Kulturfestival in Weißwasser organisiert, bei dem 25 Künstlerinnen und Künstler in zwei Wochen über 20 Stadtmöbel auf dem Bahnhofsplatz gefertigt haben — gemeinsam mit der Bevölkerung, in einer temporären Baufabrik. Wir sind mit dem KochWerk Lausitz zu zehn Dörfern gefahren und haben gemeinsam gekocht, gegessen und geredet. Wir aktivieren leerstehende Gebäude, schaffen temporäre Treffpunkte und entwickeln Formate, die zeigen: Kultur braucht keine permanenten Institutionen — sie braucht Mut, Improvisation und echte Beteiligung.

Vermitteln

Kleine Kommunen haben oft zu wenig Personal, um die Chancen des Strukturwandels zu nutzen. Förderanträge sind komplex, Verwaltungen überlastet. Wir übernehmen die Rolle eines intermediären Akteurs: Wir beantragen Fördermittel, koordinieren Projekte, lösen praktische Probleme und schaffen Verbindungen zwischen lokalen Akteuren, Fördermittelgebern und dem nationalen Diskurs. Wir machen möglich, was sonst liegen bleibt.

Wir stellen Fragen, die andere noch nicht stellen.

Unsere Forschung entsteht in den Transformationsregionen Ostdeutschlands — in Städten und Dörfern, die seit drei Jahrzehnten Antworten auf Fragen entwickeln, die große Teile Deutschlands, Europas und auch viele andere Länder in den nächsten Jahren erreichen werden. Wir gehen dorthin, hören zu, analysieren und schreiben. Und wir tragen unsere Ergebnisse zurück in den nationalen und europäischen Diskurs.

Dabei verfolgen wir einen dezidiert ländlichen Blickwinkel. Zu viele Diskurse über Resilienz, Transformation und Regionalentwicklung werden aus urbaner Perspektive geführt — als würde das Land entweder nicht existieren oder nur als Problemfall fungieren, dem man helfen muss. Wir drehen das um: Der ländliche Raum ist kein Empfänger städtischer Ideen. Er ist Ideengeber.

Unsere Forschungsthemen

Demographischer Wandel und nachhaltige Regionalentwicklung

Deutschland wird sich bis 2045 stark polarisieren: wachsende Metropolregionen auf der einen Seite, schrumpfende ländliche Kreise auf der anderen. Über 150 Landkreise werden dauerhaft mit sinkenden Bevölkerungszahlen umgehen müssen. Eine alternde Gesellschaft, die weniger konsumiert und investiert, verlangsamt die wirtschaftliche Dynamik, führt zu Fachkräftemangel, dünnerer Versorgung und sinkenden Steuereinnahmen. Diese Entwicklung ist kaum umkehrbar — aber sie ist gestaltbar.

Wir erforschen, welche Anpassungsstrategien in schrumpfenden Regionen tatsächlich funktionieren. Welche Kommunen meistern den Wandel — und warum? Wie lässt sich Stadtentwicklung jenseits des Wachstumsparadigmas denken? Hilft uns der Begriff „Postwachstum“ nicht als Theorie, sondern als Alltagspraxis weiter? Die Lausitz hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Antworten ausprobiert. Wir dokumentieren, was davon trägt.

Unser Blick ist dabei bewusst chancenorientiert. Schrumpfung muss nicht Niedergang bedeuten. In Regionen, die bereits heute mit weniger Ressourcen auskommen, entstehen robuste, redundante und gemeinschaftliche Strukturen, die für die Zukunft vieler anderer Regionen relevant sind.

Digitale Transformation, Automatisierung und KI im ländlichen Raum

Digitalisierung verändert, wie Menschen auf dem Land arbeiten, kommunizieren und sich begegnen. Sie ermöglicht flexibles Arbeiten von überall, neue Formen der Vernetzung und telemedizinische Versorgung. Gleichzeitig verlagern sich soziale Interaktionen in virtuelle Räume — und die traditionellen Orte der Begegnung verlieren an Bedeutung.

Parallel dazu verändert die rasante Entwicklung von Automatisierung, Robotik und Künstlicher Intelligenz die Arbeitswelt grundlegend — und das betrifft ländliche Regionen in besonderer Weise. Routinetätigkeiten in Fertigung, Logistik und Landwirtschaft werden zunehmend durch Maschinen und Algorithmen übernommen. Das schafft einerseits Kapazitäten in Regionen mit Fachkräftemangel. Andererseits entwertet es Berufsbilder, die über Jahrzehnte Identität und wirtschaftliche Sicherheit geboten haben — eine Entwicklung, die in der Lausitz, wo der Strukturbruch der 1990er Jahre noch in lebendiger Erinnerung ist, besonders sensibel wahrgenommen wird.

Was folgt daraus für die Arbeit der Zukunft? KI und Automatisierung können Routinen ersetzen — aber nicht das, was Menschen unersetzlich macht: Verantwortung übernehmen, mit anderen Menschen arbeiten, Vertrauen aufbauen, in komplexen sozialen Situationen urteilen und handeln. Pflege, Begleitung, Gemeinwesenarbeit, Bildung, lokale Demokratie — all das sind Tätigkeiten, die durch Automatisierung nicht substituierbar sind, sondern an Wert gewinnen. Gerade im ländlichen Raum, wo Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung keine Romantik sind, sondern strukturelle Notwendigkeit, liegt hier eine reale Chance: Die Fähigkeiten, die für das Zusammenleben in schrumpfenden Regionen ohnehin gebraucht werden — Improvisation, Verlässlichkeit, Verantwortungsübernahme, das Arbeiten mit und für Menschen — sind genau jene, die im Zeitalter der KI an Bedeutung gewinnen.

Wir erforschen, wie Automatisierung und KI das Zusammenleben und die Arbeitswelt im ländlichen Raum verändern. Welche Tätigkeiten gewinnen an Bedeutung, welche werden verdrängt? Wie können ländliche Regionen die Chancen der Digitalisierung nutzen — autonome Mobilitätslösungen, digitale Dorfplattformen, KI-gestützte Gesundheitsversorgung — ohne das Analoge zu verdrängen, das nicht ersetzt werden kann? Und welche neuen sozialen Netzwerke entstehen, wenn digitale Vernetzung und physische Gemeinschaft klug kombiniert werden?

 

Rückkehrende als Change Maker

Eine der faszinierendsten Entwicklungen in ostdeutschen Transformationsregionen ist die Rückkehr: Immer mehr Menschen kehren in ihre Heimatregionen zurück — nach Ausbildung, Studium oder Berufsjahren in Städten. Sie sind keine Verlierer. Sie sind Vorreiter.

Rückkehrende kennen die Region, haben anderswo Netzwerke und Erfahrungen aufgebaut und kommen zurück mit einem Blick, der beides verbindet: das Wissen um die Qualitäten und Potenziale der Heimat und die Fähigkeit, Chancen zu erkennen, die andere noch nicht sehen. Viele übernehmen Problemimmobilien, gründen Vereine, schaffen neue Dritte Orte, engagieren sich gleichzeitig beruflich, unternehmerisch und ehrenamtlich. Sie verkörpern das Multi-Tasking-Prinzip, das Resilienz im ländlichen Raum antreibt.

In unserem BBSR-Projekt ‚Zurück in die Zukunft‘ haben wir in Spremberg und Zeitz systematisch erforscht, warum Menschen zurückkehren, welche Push- und Pull-Faktoren wirken, welche Rolle Rückkehrende für die Entwicklung ihrer Regionen spielen — und was Kommunen tun können, um mehr Menschen zur Rückkehr zu motivieren und sie bei der Ankunft zu unterstützen. Die Ergebnisse sind als Publikation frei verfügbar.